Wir lassen lesen. Mit diesem Satz haben wir eingeladen, wie zu einer Vorlesestunde. Wir lassen uns vorlesen. Wir lassen das lesen, was andere geschrieben haben. Verfasste Texte in den literarischen Gattungen Roman, Erzählung, Lyrik und Theaterstück. Wobei, wenn wir es genau nehmen, stimmt es nicht ganz mit dem Vorlesen. Denn zum Beispiel Michl Zirk ist Erzähler. Seine Geschichten, die er landauf und landab erzählt, sind überliefert oder stehen in seinem Kopf geschrieben, und aus dem Gedächtnis genommen trägt er sie uns vor. So ist Erzählen auch vergleichbar mit Vorlesen. Oder Johannes Volkmann, der nicht nur mit Worten spricht, sondern auch mit dem Papier arbeitet; gleichzeitig nimmt er Geschichte und Papier zu einem Theaterstück zusammen. Das Papier, die Grundlage für das Festhalten von Geschichten, seit vielen Jahrhunderten. In die Zeiten der Jahrhunderte, unserer Vorgeschichte also, geht zum Beispiel Nadja Bennewitz. Sie ist Historiekerin und berichtet in einem Beitrag über die berühmte antike Prophetin Sybilla, die in einer Grotte in den Marken lebte. Überlieferte Geschichten, niedergeschriebene Gedanken, vorgelesene Sätze. Wie auch immer - was auf dem Papier geschrieben steht, ist ein Festhalten von Ereignissen und Eindrücken. Was vom Papier gelesen wird, ist Unterhaltung und Wissen erlebbar machen. In diesem Sinne freue ich mich, dass die Auswahl der Teilnehmenden einen breiten Bogen in ein thematisch und literarisch vielseitiges Vorlesen und Hören geben wird.

Roland Spranger


Kulturreferat der Stadt Nürnberg und Verband deutscher Schriftsteller in ver.di

Im Rahmen des Lesefestivals criminale 2014 hat sich Radio Z Redakteur Tobias Lindemann mit Roland Spranger unterhalten. Der Autor liest aus seinem Thriller "Kriegsgebiete".

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